Isabella Benz: Als wir Charleston tanzten

Verlag: Forever Verlag (8. Juni 2015)
Seitenzahl: 343
ISBN: 978-3-95818-022-2


Im Jahr 1927 lernt Mary an einem Abend in einem Tanzlokal auf dem Kurfürstendamm Richard Dingen kennen, der sie sehr beeindruckt. In Gedanken an ihre flüchtige Bekanntschaft muss Mary jedoch einsehen, dass sie nicht so frei ist, wie sie gerne wäre. Um die Pflege ihrer kranken Mutter bezahlen zu können, heiratet Mary den Automobilverkäufer Friedrich Wirth. Von nun an ist sie die hübsche Frau von einem der reichsten Männer Berlins. Mary ist nicht glücklich über die Vernunftehe, doch beim Tanzen kann sie all ihre Sorgen vergessen. Als sie Richard – inzwischen einer der Eintänzer im Hotel Adlon – eben dort wieder trifft, nimmt die Geschichte ihren Lauf. Fortan macht sie sich immer öfter auch alleine auf den Weg ins Adlon, und bringt damit nicht nur sich in Gefahr.

Als wir Charleston tanzten ist ein Liebesroman, und als solchen möchte ich die Geschichte um Mary und Richard auch bewerten. Mit anderen historischen Romanen verglichen konnte Als wir Charleston tanzten nicht mithalten, denn dafür fehlen mir die Beschreibungen, die mich als Leserin in das Berlin der 20er Jahre entführen. Als Liebesgeschichte flattern die Seiten auf dem E-Reader jedoch nur so dahin. Die Sprache, die Isabella Benz für ihren Roman nutzt, ist einfach. Das darf jedoch keinesfalls als negative Kritik verstanden werden. Die Geschichte von Mary, Richard und Friedrich kann dadurch gerade für junge Leserinnen als Einstieg in das Genre Historische Romane dienen.

Mary ist ihrer Zeit voraus, weshalb sie nicht umbedingt wie eine junge Frau der 20er Jahre wirkt. Und sie kämpft mit Problemen, die auch in der heutigen Zeit noch vorkommen: Die Mutter ist schwer krank, der Vater alkoholabhängig. Der Unterschied ist lediglich der, dass Mary in ihren Entscheidungen nicht frei sein kann. Ihre Handlungen sind dabei sehr gut nachvollziehbar.

Insgesamt sind die Personen im Roman gut beschrieben. Besonders Mary und Richard machen es dem Leser der Geschichte leicht, sich auf der Tanzfläche der 20er Jahre wieder zu finden. Lediglich Friedrich Wirth und seine Schwester sind schwer zu durchschauen. Gerade die Zeitsprünge in der Geschichte machen es schwierig, Friedrich als Ehemann von Mary besser kennen zu lernen. Für mich waren die Ereignisse gerade am Ende des Romans daher nur bedingt nachvollziehbar. Meiner Meinung nach schafft es die junge Autorin Isabella Benz nicht, das Potenzial der Ereignisse auszunutzen, um den Spannungsbogen gegen Ende wachsen zu lassen.

Quelle Foto: Forever Verlag

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Andy Weir: The Martian

Deutscher Titel: Der Marsianer (Heyne Verlag)
Verlag: Crown Publishing (28. Oktober 2014)
Seitenzahl: 400
ISBN: 978-0-553-41802-6


Mark Watney ist alleine. So alleine war noch keine andere Person zuvor, denn Watney ist der einzige Mensch auf dem Mars.  Als ein Sandsturm seine Crew in Gefahr bringt, wird Watney verletzt und fällt in die Bewusstlosigkeit. Seine Kameraten halten ihn fälschlicherweise für Tod und lassen Watney bei Ihrer Flucht im Basislager alleine zurück. Die Change des Astronauten, noch einmal Kontakt zur Erde aufnehmen zu können, stehen eher suboptimal, denn den Kontakt zur Außenwelt hat Watney verloren. Wahrscheinlich wird er der erste Mensch sein, der auf dem Mars stirbt. Doch bekanntlich stirbt die Hoffnung zuletzt, und so fängt Watney an ums Überleben zu kämpfen.

Der Marsianer ist ein außergewöhnlicher Science-Fiction Roman, der besonders für Leser interessant sein könnte, die bisher wenig Kontakt mit Science Fiction hatten. Das, was Andy Weir in seinem ersten Roman erzählt, ist gut recherchiert und nah an der Realität – wenn man mal davon absieht, das bisher noch kein einziger Mensch auf dem Mars war. Wer die ersten 50 Seiten des Roman aushält, wird belohnt. Genau das ist auch mein größter Kritikpunkt. Anfangs ziehen sich die Seiten in die länge. Watney rechnet und rechnet, um seine Überlebenschangen zu steigern: Wie viele Kartoffeln hat er, und wie viele kann er züchten? Wie viel Wasser steht ihm zur Verfügung, und wie kann er mehr Wasser herstellen? Für den Marsianer gut investierte Zeit, für den Leser trocken und langatmig.

Genau in dem Moment, in dem ich meinen Kindle aus der Hand legen wollte, drehte sich die Handlung um 180 Grad. Die Schauplätze wechseln zwischen dem Marsmännchen Watney, seiner Crew und der NASA. Der einsame Kampf ums Überleben wird zum fieberhaften Wettkampf, den die ganze Menschheit verfolgt. Mit Mark Watney hat Andy Weir dabei eine Figur entwickelt, die nicht besser passen könnte. Als Astronaut ist Watney natürlich hoch intelligent und extra geschult, um schwierige Situationen zu meistern. Doch auch sein trockener Humor trägt dazu bei, dass die Seiten irgendwann nur dahin fliegen.

Wer auf der Suche nach guter Unterhaltung ist und sich gerne mit etwas beschäftigen möchte, das sonst sehr weit weg ist (Mars, räusper), dem kann ich Der Marsianer nur wärmstens empfehlen!

Quelle Foto: Crown Publishing

Annette Wieners: Kaninchenherz

Verlag: List Taschenbuchverlag (8. Juni 2015)
Seitenzahl: 352
ISBN: 13-978-3548612584


Gesine Cordes führt seit dem unaufgeklärten, tragischen Todes ihres Sohnes vor zehn Jahren ein anderes Leben. Früher erfolgreiche Kriminalkommissarin ist sie heute Friedhofsgärtnerin und lebt zurückgezogen in einem Wohnwagen auf dem Hof eines befreundeten Bauern. Als Gesine eines Tages die Kränze für eine Beerdigung in die Friedhofskapelle liefert, holt sie ihr früheres Leben wieder ein. Ihre Schwester Mareike wird an diesem Tag beerdigt und damit jene Person, die Gesine für den Tod ihres Sohnes verantwortlich macht. Obwohl Gesine und Mareike seit  Jahren keinen Kontakt mehr miteinander hatten, wird Gesine schnell verdächtigt, für den mysteriösen Tod ihrer Schwester verantwortlich zu sein. Kann Gesine den Tod ihrer Schwester aufklären? Und in wie weit ist der Tod von Mareike mit dem ihres Sohnes vor zehn Jahren verstrickt?

Das wunderbare Cover des Buches verspricht ein düsteren Kriminalroman, doch düster oder grausam ist Kaninchenherz nicht. Vielmehr ist es ein Roman über einen schweren Schicksalsschlag, der eine ganze Familie zerstört hat. Selbst der Tod von Mareike scheint die zerrüttete Beziehung zwischen Gesine und ihren Eltern nicht stabilisieren zu können. Auch das erste Treffen von Gesine und Juan – Mareikes Mann – und ihren Zwillingen steht vor keinem guten Stern.

Der Roman wird auf zwei Ebenen erzählt. Die Haupthandlung, die sich nach dem Tod von Mareike abspielt, wird immer wieder durch kurze Kapitel aus der Zeit nach dem Tod von Gesines Sohn unterbrochen. Diese kurzen Kapitel tragen nicht zur Aufklärung der Kriminalfälle bei, jedoch gibt es den Lesern die Möglichkeit, den Zerfall von Gesines Familie hautnah zu erleben. Die Sprache, die Annette Wieners für Ihren Roman gewählt hat, liest sich schnell und flüssig. Das Ende des Romans war für mich jedoch schwerer zu verdauen. Ich hätte mir gewünscht, dass ich am Ende sowohl den Tod von Mareike, als auch den Tod ihres Neffen nachvollziehen kann. Doch bis zum Schluss bleiben Fragezeichen. Warum hat Gesine nach dem Tod ihres Sohnes die Nachforschungen so schnell aufgegeben? Warum wusste Juan so wenig über das, was Mareike in der Zeit vor ihrem Tod so stark beschäftigte? Und warum schweigt eine Familie lieber, als miteinander die Trauer dieser schweren Verluste zu bewältigen?

Kaninchenherz ist der erste Roman von Annette Wieners und der Startschuss für eine Krimi-Reihe rund um die Friedhofsgärtnerin Gesine Cordes. Durch die Ankündigung einer Fortsetzung wird auch das Ende ertragbar, wahrscheinlich sind die offenen Fragen sogar gewollt. Ich werde auch zum nächsten Gesine Cordes-Krimi greifen, weil Kaninchenherz viel Potenzial für die Entwicklung der einzelnen Figuren verspricht.

Quelle Foto: Ullstein Buchverlage