Amy Silver: Was bleibt, wenn du gehst

Originaltitel: The Reunion
Verlag: rororo (1. September 2014)
Seitenzahl: 448
ISBN: 378-3499268526


Sechs junge Freunde verbringen ihren Sommer in einem einsamen Haus in Frankreich.  Frisch von der Uni steht ihnen die Welt offen. Als Conor in diesem Sommer bei einem Autounfall stirbt, verändert sich das Leben der anderen fünf Freunde schlagartig. Ihre Freundschaft hält das nicht aus.

16 Jahre später sind immer noch viele Fragen unausgesprochen. Das Haus in Frankreich steht zum Verkauf, und so beschließt die jetzt schwangere Jen, ihre ehemals besten Freunde unter einem Vorwand zusammen zu bekommen. Andrew, Lilah, Nathalie und Dan sind davon wenig begeistert. Die vielen ungeklärten Fragen machen ein miteinander kaum möglich. Als ein Schneesturm das Haus von der Außenwelt abschottet, ist die Gruppe gezwungen, sich mit der Vergangenheit auseinander zu setzen.

Was dank deutschem Titel und Cover auf dem ersten Blick an einen kitschigen Liebesroman erinnert, ist in echt ein Roman über wahre Freundschaft. Schuld, Trauer und gebrochene Herzen sind eine explosive Mischung, und mit dem abgelegenen Haus in Frankreich hat die Autorin Amy Silver einen passenden Schauplatz gefunden.

Der Leser wird früh in die Geschehnisse eingebunden, und doch stellt sich erst nach und nach heraus,  was in jenem Sommer tatsächlich passierte. Wirken die Figuren am Anfang noch platt, entwickeln sie sich zu wohl überlegten Charakteren. Auch die Geschichte entwickelt sich weiter, und am Ende zeigt Amy Silver, dass es auch positive Seiten gibt, wenn uns ein lieber Mensch verlässt.

Neben einem doch sehr emotionalem Thema liest sich der Roman dank einfachen Sätzen und kurzen Kapiteln zügig und schnell. Die Kapitel enden so, dass ich unbedingt gleich wissen wollte, wie es weiter geht.

Mein Tipp: Titel und Cover ignorieren, sich in eine dicke Decke kuscheln und das Buch zusammen mit einem Tee genießen.

Quelle Foto: rororo

Jetzt abstimmen für den Lovelybooks Lesepreis 2014

Wenn ich an das nun fast vergangene Jahr denke, muss ich an die tollen Menschen, tollen Tage und die guten Bücher denken, die ich dieses Jahr treffen, erleben und lesen durfte. Anfang November kann man nun wirklich mal die letzten Monate Revue passieren lassen. Das Team von LovelyBooks veranstaltet daher jedes Jahr die Verleihung des Leserpreises.  Das besondere daran ist, dass wir als Leser unsere Lieblingsbücher nominieren können. Die Abstimmungsphase hat nun begonnen und bis zum 20. November 2014 könnt ihr noch für eure Lieblingsbücher voten!

Das habe ich gerade getan. Und während des Votings habe ich mal wieder viele tolle Cover gefunden und einige Bücher für mich entdeckt, die ich noch gar nicht wahrgenommen habe. Die Preisträger werden am 28. November bekannt gegeben.

Wenn du also Lust hast, die Autoren und Verlage deiner Lieblingsbücher zu würdigen, kannst du hier für die Bücher abstimmen!

Außerdem haben alle Blogger, die auf ihren Seiten auf diese Abstimmung aufmerksam machen, die Chance, tolle Bücher zu gewinnen.

Haruki Murakami: Wovon ich rede, wenn ich vom Laufen rede

Originaltitel: Hashiru koto ni tsuite kataru toki ni boku no kataru koto
Verlag: btb (1. März 2010)
Seitenzahl: 176
ISBN: 3832180648


Den Autor Haruki Murakami kennen sicher viele Leser. Den Läufer Haruki Murakami kennen sicher nur laufende Leser oder lesende Läufer. Als was ich mich bezeichnen würde, weiß ich nicht, aber dass ich Murakamis „Wovon ich rede, wenn ich vom Laufen rede“ irgendwann lesen müsste, war sicher.

Murakami beschreibt in diesem Buch Episoden aus seiner Zeit als Läufer. Er erklärt, warum er Läufer wurde, wie er von Athen nach Marathon lief und auch von seinem ersten 100-km-Lauf. Dabei verbindet er immer wieder das Laufen mit dem Schreiben, eine Notwendigkeit für den weltweit erfolgreichen Autor (1Q84, Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki und weitere). Das Schreiben könnte ohne das Laufen nicht funktionieren, und andersrum ebenso nicht.

Wer sich für das Laufen interessiert, sich inspirieren lassen möchte oder Tipps sucht, der sollte ein anderes Buch in die Hand nehmen. Bücher dazu gibt es genug. Murakamis Sicht auf das Schreiben, das Laufen und das Leben sind die Themen, die dieses Buch ausmachen. Die Verbindung der Themen macht das Buch speziell, wahrscheinlich sogar einzigartig.

Leider empfand ich die Übersetzung als mäßig, die Sprache gewöhnungsbedürftig. Für mich entwickelte sich keinen Lesefluss und ich hatte oft das Gefühl, dass zwischendurch der Schreibstil gewechselt wurde. Mit Büchern, die aus dem Japanischen übersetzt wurden sind, habe ich jedoch bisher jedoch keine Erfahrungen gemacht. Sicher ist eine solche Übersetzung sehr schwierig, vielleicht ist auch der Stil japanischer Autoren speziell.

Ich habe dieses Buch nicht gelesen, weil ich nach großartiger Literatur gesucht habe. Mein Ziel war es zu testen, wie groß meine Freude für das Laufen noch ist. Das ist gelungen. Ich konnte mich vorher weder für noch gegen eine Teilnahme am Hamburg Marathon entscheiden, nun bin ich angemeldet. Im April werde ich meinen dritten Marathon laufen, und ich habe riesen Lust darauf. Auch wegen des Buches.

Ein Buch für lesende Läufer oder laufende Leser.

Quelle Foto: Random House