Twitter in #echt

Irgendwie ist diese Online-Welt schon schräg. Man kommuniziert plötzlich mit Menschen, die einen eigentlich vollkommen fremd sind. Fremd, aber doch irgendwie nah, denn Leute mit den gleichen Interessen findet man in den passenden Communities ja in Massen.

Kann man „online“ eigentlich auch mit „offline“ verbinden? Karla Paul aka @Buchkolumne und Miriam Semrau, auch bekannt unter @krimimimi33, haben gerufen und so fanden sich am letzten Freitag viele On- und wenige Offliner zum 1. Hamburger #bookupDE im Büchereck Niendorf zusammen. Ein sehr schöner Abend.

bookup_gruppe

(Foto by Lotta)

Was genau ein #bookup ist? Vor dem #bookup war der #tweetup, ein Schachtelwort bestehend aus „Twitter“ und „meet up“ (engl. für treffen). Dort treffen sich Menschen anlässlich einer Veranstaltung und twittern, was das Zeug hält. Die Idee für einen #bookupDE hatte Stefanie Leo: Sie wollte damit die Idee auf die Bücherwelt übertragen.

bookup_lesungDas Büchereck in Niendorf war der perfekte Platz für den ersten #bookupDE in unserer schönen Hansestadt. Niendorf ist zwar nicht der bekannteste, schönste, angesagteste oder zentralste Stadtteil Hamburgs,  Inhaberin Christiane Hoffmeister war jedoch eine hervorragende Gastgeberin. Zugegeben, zusammen mit ihren Angestellten hat sie unsere Herzen auch mit allerlei Knabbereien und Wein gewonnen, aber wenn eine Inhaberin ihren Buchladen seit 25 Jahren führt, einen super Online-Shop sowie vorbildlich in der Social-Media-Welt vertreten ist (Twitter, Facebook, Instagram), dann dient sie als passendes Vorbild für andere Buchhändler.

Aber nur zum Essen und Trinken waren wir ja auch nicht im Büchereck. Den Anfang machte die Autorin Isabel Bogdan, die aus ihrem Buch „Sachen machen“ vorgelesen hat. In mehr oder weniger 17 Minuten (soviel war für die Vorlesung eingeplant, gefühlt war es aber viel kürzer) erzählte Isabel von ihren gesammelten Eindrücken aus dem schönen, beschaulichen Wacken. Und vom nicht immer so beschaulichen Festivalgelände. Tipp: Am 10. November findet eine weitere Lesung mit Isabel Bogdan im Büchereck Niendorf statt. Mehr Infos findet ihr hier.

Buchempfehlung durften während der Veranstaltung natürlich nicht fehlen. Karla stellte die Bücher Glow von Ned Beaumann und Die niedrigen Himmel von Anthony Marra vor. Letzteres habe ich dann auch gleich mit nach Hause bookup_buchvorstellunggenommen. Miriam empfohl uns – natürlich – Krimis und Thriller. Die Wahrheit und andere Lügen von Sascha Arango ist gleich auf meine Merkliste gewandert. Der Autor ist Drehbuchautor einiger Tatort-Folgen, und das Drehbuchautoren gute Romane schreiben können, hat unter anderem Ralf Husmann bewiesen, wenn auch in einem anderen Genre. Die anderen Empfehlungen der Krimimimi –  Die Kairo-Affäre von Olen Steinhauer und Galveston von  Nic Pizzalotto – versprechen ebenfalls spannende Lesestunden.

Der Abend endete mit dem stöbern im Büchereck und tollen Gesprächen mit anderen online-affinen Buchliebhabern. Was könnte es schöneres geben?

Blogtour: Tameha – Gene tanzen nicht

Es ist soweit! Am letzten Donnerstag ist die Blogtour zum Buch „Tameha – Gene tanzen nicht“ gestartet und nun macht sie auch auf meinem Blog halt, genau wie ich hier angekündigt habe.

Tameha_Blogtour

Marie Menke ist die Autorin des Buches. 1997 geboren lebt sie mit ihren Eltern und ihrer Schwester in einer Kleinstadt in Nordrhein-Westfalen. Wie Tameha liebt Marie das Tanzen, schreibt und liest aber genauso gerne. Auf ihrem Blog findet ihr Rezensionen, Tipps für Schreiberlinge und einiges mehr. Zu finden ist Marie auch auf TwitterInstagram und Lovelybooks.

Mit dem Casimir-Verlag hat Marie den passenden Verlag für ihren Debüt-Roman gefunden. Neben anderen Kinder- und Jugendbücher hat der Verlag neben „Tameha – Gene tanzen nicht“ schon andere Fantansy-Romane veröffentlicht. Besonders schön finde ich, dass der Verlag die Werke einiger junger Schreibtalente veröffentlicht. Neben Marie Menke ist die Casimir-Autorin Marie Eichenberg beispielsweise erst 14 Jahre alt. Die Facebook-Seite des Verlags findet ihr übrigens hier, es gibt außerdem einen Facebook-Auftritt zum Buch!

„Tameha – Gene tanzen nicht“ widmet sich übrigens einem sehr interessanten Thema: Gene! In der Welt von Tameha werden Gene manipuliert, um das Talent von Personen zu beeinflussen. Die Frage, die Tameha sich stellen muss: liebt sie das Tanzen wirklich, oder ist es das Gen, das sie beeinflusst? Einen ersten Eindruck vom Buch könnt ihr euch dank der Leseprobe sofort, hier und jetzt machen!

Gewinnen könnt ihr bei dieser Blogtour natürlich ein Exemplar des Buches sowie zwei Wundertüten! Weiter unten findet ihr ein Zitat mit zwei Reaktionen. Entscheidet euch hier zwischen Herz und Stern. Auf allen teilnehmenden Blogs könnt ihr Sterne und Herzen sammeln. Nach der Blogtour müsst ihr euren Namen in die große Losbox werfen und uns verraten, ob ihr ein Herz- oder Stern-Mensch seid! Weitere Infos findet ihr bei der ersten Blogtour-Station.

Tameha_Zitat

Herz

Meine Gedanken verloren sich in der Musik und wurden eins mit ihr. In diesem Moment bestimmte der Tanz, was ich tat, und doch hatte ich mich nie zuvor so frei gefühlt.

Stern

Meine Augen waren weit geöffnet, als sie meinen Körper an einem Punkt an der Wand mir gegenüber festhielten, und meine Hände verkrampften sind in dem zarten Kreis, den sie um meinen Körper bildeten. Schweißperlen traten auf meiner Stirn auf.

Michael Weins: Delfinarium

Verlag: Mairisch Verlag (1. April 2009)
Seitenzahl: 216
ISBN: 3938539119


Daniel Martin weiß nicht, was er mit seinem Leben anfangen soll. Die Schule ist schon etwas her, aber er wohnt weiterhin mit seinem Vater im Alten Land und hält sich mit Nebenjobs über Wasser. Außerdem schläft er mit Petra, einer politisch engagierten Pastorentochter, die aber nur eine sehr gute und nicht seine Freundin ist. In seinem neuen Job soll Daniel auf Susann aufpassen. Susann ist deutlich älter als Daniel und seit einem Unfall steckt sie in einer anderen Welt fest. Sie spricht nicht, und nur im Delfinarium scheint sie glücklich zu sein. Daniel fühlt sich zu Susann hingezogen. Doch dann taucht plötzlich ein Fremder auf, der behauptet, Susann sei eigentlich seine Frau Marie. Daniel entscheidet sich dazu, die Wahrheit herauszufinden.

Wie  geht man mit einem erwachsenden Menschen um, wenn man nicht mit ihm reden kann? Wenn man etwas fragt, aber keine Antworten erhält? Wenn man viel Zeit mit einer Person verbringt, ohne je mit ihr auch nur eine Unterhaltung geführt zu haben? Und was macht man, wenn eine fremde Person auftaucht und behauptet, der Mensch, den du betreust, ist gar nicht der, für den du ihn hältst?

All das passiert Daniel in Delfinarium. Ein Junge, gerade mal zwanzig Jahre alt, der sich nicht entscheiden kann, was er mit seinem Leben machen möchte. Jetzt muss er über das Schicksal einer erwachsenden Frau entscheiden, die nicht für sich selber sprechen kann. Michael Weins erzählt diese Geschichte aus der Sicht von Daniel, und schafft dabei eine stimmungsvolle Kulisse. Das Alte Land, südlich der Elbe in Hamburg und Niedersachsen gelegen, ist als Schauplatz gut gewählt, denn die Bewohner stecken zwischen dem guten Alten und der Aufruhr gegen die geplante Landebahnverlängerung der Airbus Werft.

Die Sprache in dem Roman ist einerseits voller Gefühl,  andererseits auch humorvoll. Es geht ums erwachsen werden, um Freundschaft und darum, Entscheidungen zu treffen. Am Ende bleibt: Menschen machen Fehler, und für die sollten wir einstehen. Dabei sollten wir das Wohl der anderen Menschen nicht vergessen – egal, ob sie mit uns sprechen können oder nicht.

 Quelle Foto: mairisch Verlag